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Scrum Coaching

Das GROW Model in der Praxis

 Oktober 11, 2020

von  Sebastian

Mit dem GROW Model (ich verwende den englischen Begriff durchgehend) kannst du ein Coaching Gespräch für dich als Coach oder Scrum Master strukturieren, deinem Coachee (oder Product Owner, Entwicklungsteam, ...) einen Weg anbieten mit einem Anliegen zu arbeiten oder es sogar für dich im Eigencoaching nutzen. Ich zeige dir, wie es aufgebaut ist und genutzt wird.

Historie

John Whitmore hat das GROW Modell erfunden. Sowohl die Buchstaben in Summe geben für das Coaching ein wertvolles "wachsen" wieder, wie auch die einzelnen Buchstaben, die wir uns im Folgenden ansehen.

GROW Model im Detail

GROW steht für die folgenden vier Begriffe, die wir nun einmal durchgehen: Goal, Reality, Options, Will.

Goal

Goal (Ziel) steht im GROW Model an erster Stelle und stellt damit auch den Startpunkt dar. Ein Ziel ist Voraussetzung, damit du mit diesem Modell starten kannst. Entweder hast du selbst ein Ziel (Eigencoaching) oder aber dein Coachee hat ein solches Ziel. Wer sein Ziel nicht kennt, der kann auch keinen Weg auswählen. Bei allem was wir tun, benötigen wir ein solches Ziel. Häufig kann sich das auch hinter einem Warum verstecken, es gibt in der Regel immer etwas, was uns antreibt. Das brauchen wir hier als Startpunkt.

Um ein Ziel zu beschreiben gibt es einige Akronyme, die verwendet werden können, um einen Anhaltspunkt und Richtung zu bekommen. Im Folgenden möchte ich dabei auf SMART, PURE und CLEAR eingehen.

SMART

Oft definiert man Ziele gerne SMART (spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert). Das Akronym lässt sich dazu perfekt verwenden, um Zielen den richtigen Touch zu geben und es konkret zu machen. Du kannst das auch hier ausprobieren, solltest dich aber überwiegend von Haltung und Achtsamkeit leiten lassen. Wenn partout kein "messbar" möglich ist, dann helfe dem Coachee das auf seinem Weg zu finden. Beharre nicht darauf.

Wenn SMART nicht funktioniert

SMART funktioniert aus meiner Sicht sehr gut bei rational denkenden Menschen. Wenn du hier Probleme bei deinem Gegenüber feststellst, ein Ziel SMART zu definieren, muss das nicht prinzipiell etwas mit dem Ziel zu tun haben. Es kann auch einfach schwer sein für den Gegenüber sich in diesem Modell zu bewegen.

PURE

Das Akronym PURE steht für positive formuliert, verstanden (understood), relevant und ethisch vertretbar.

Ich finde das Akronym auch spannend, denn gerade mit der Relevanz und dem etisch vertretbar öffnest du in der Regel andere Wege bei Menschen, als du es mit SMART tust. Probiere es einfach mal mit deinem Coachee aus, wie er darauf reagiert und ob es hilft.

CLEAR

Eine weitere Abkürzung für Ziele lautet CLEAR. Dabei steht CLEAR für: Challanging (herausfordernd), legal, ökologisch (environmentally), angemessen und dokumentiert.

Für mich stecken da ein paar Dinge drin, die uns hilfreich sein können. Herausfordernde, angemessene und schriftliche Fixierung von Ziele finde ich persönlich sehr annehmbar. In wie weit legal und ökologisch tatsächlich relevante Faktoren bei deinem Coachee sind, musst du herausfinden.

Reality

Wichtig ist in diesem Schritt, dass du als Coach oder Scrum Master die Wirklichkeit erkundest. Es geht noch nicht darum, Ausblicke und Lösungen zu erarbeiten. Wichtig ist hier das Verständnis von Coach und Coachee und das kannst du systemisch sehr gut bewerkstelligen.

Options

Bei den Optionen geht das darum, dem Coachee zu helfen Sichtweisen zu entwickeln. Diese Optionen sollen ihm helfen, später Lösungen zu finden.

Möglichkeitsraum erkunden

Bei den Options kannst du auch den Möglichkeitsraum erkunden. Damit beschreiben wir, was der Coachee grundsätzlich in seiner Macht sieht, zu tun.

Skalenarbeit

Skalenarbeit kann dir (nicht nur) bei den Optionen sehr hilfreich sein. So kannst du die erarbeiteten Optionen aufteilen in zum Beispiel:

  • Auf einer Skala von 1-10, wie realistisch ist diese Option?
  • Auf einer Skala von 1-10, wie stark hilft dir persönlich diese Option?
  • ...

Natürlich solltest du die Skala an den Enden sehr gut beschreiben und angeben, damit gemeint ist, mache dir eindeutige Beispiele.

Will

Während Optionen erstmal zeigen, was alles vorhanden und möglich ist, geht es im letzten Schritt darum, konkret zu erkunden, zu was der Coachee bereit ist.

Hier kannst du auch wieder perfekt mit Skalen arbeiten und dann (bspw. bei einer 5 von 10) fragen, was konkret noch fehlt zu starten. Ziele, die nur sehr schlecht angenommen werden, sind auch nicht realistisch in der Umsetzung. Daher achte immer darauf, dem Coachee zu helfen, sein Ziel zu finden.

Zeitbedarfe

Persönlich finde ich, dass du das GROW Model gut ab 30 Minuten aufwärts anwenden kannst. Gut fühlen tue ich mich dann in der Regel mit 60 Minuten. Auch bei längeren Sessions kannst du es anwenden. Du musst es eben konkret probieren und schauen, ob und wie es dir liegt.

GROW Model für Coaching in Scrum

Das GROW Modell kannst du natürlich grundsätzlich immer verwenden. Bei allen Gesprächen mit Kollegen, die du unterstützen möchtest, einen Weg basierend auf einem Ziel zu finden, ist das ein guter Weg.

4x4 gute Fragen im GROW Modell

Kraftvolle Fragen sind im Coaching immer wichtig und gerade als Scrum Master solltest du hier einige im Portfolio haben. Dabei ist es nicht notwendig einige Fragen auswendig zu lernen, denn du musst diese situativ anwenden können.

Goal

  • Was ist das Ziel unserer heutigen Diskussion?
  • Welches Anliegen hast du konkret an diese Session?
  • Wenn wir später fertig sind, was würde dich zufrieden machen?
  • Was möchtest du erreichen?

Reality

  • Wie sieht dein Alltag aktuell aus?
  • Was beschäftigt dich aktuell in deinem Leben?
  • Wenn wir später fertig sind, was würde dich zufrieden machen?
  • Was möchtest du erreichen?

Option

  • Was könntest du tun, um die Situation zu verändern?
  • Wen bräuchtest du, um noch mehr zu erreichen?
  • Welche Möglichkeiten siehst du?
  • Stell dir vor du könntest dir einen Wunsch erfüllen, welche Option käme dazu?

Willing

  • Auf einer Skala von 1-10 (wobei 1 für unwahrscheinlich steht und 10 für absolut intrinsisch motiviert), wie wahrscheinlich ist es, dass du deine Aufgabe umsetzt?
  • Woran merkst du, dass du es schaffen kannst?
  • Wem erzählst du dein Vorhaben und wie kann er dich dabei unterstützen?
  • Was brauchst du noch für eine 10 auf der Skala?

Vor- und Nachteile von GROW

Schauen wir uns noch einige Vor- und Nachteile von GROW an.

Pros

  • Ein einfaches Modell, welches genutzt werden kann, um einen Startpunkt für ein Coachingsession zu bekommen.
  • Bietet eine gute Struktur für den Scrum Master, um sich durch Coaching Sessions zu hangeln.

Cons

  • Wenn als als starre Struktur verwendet wird, kann eine Coaching Session schnell in eine Sackgasse geraten.

Kein Ziel erkennbar

Der Coachee muss nicht zwingend in der Lage sein, sein Ziel konkret zu formulieren. Vielleicht hat er auch noch kein richtiges bzw. ist auf der Suche nach so einem. Es kann problematisch sein, sich gleich zu Beginn zu verrennen und in die Länge zu laufen.

Ziel zu weich

Der Coachee muss nicht zwingend in der Lage sein, sein Ziel zu formulieren. Vielleicht hat er auch noch kein richtiges bzw. ist auf der Suche nach so einem. Es kann problematisch sein, sich gleich zu Beginn zu verrennen und in die Länge zu laufen.

GROW Beispiele

Scrum

Wenn du als systemischer Coach bei dir im Unternehmen tätig bist, dann könntest du dir überlegen das GROW Model anzuwenden, wenn ein Scrum Master zu dir kommt und das Anliegen hat

  • "Ich möchte ein besserer Scrum Master werden, wie komme ich da hin?"

Damit bringt das Coachee schon ein recht gutes Ziel bzw. Anliegen mit. Du könntest jetzt versuchen mit der SMART Checkliste zu prüfen, wie dieses Ziel bei ihm konkret schon aussieht. Dabei würde der Fokus natürlich darauf liegen, dass du fragst und er antwortet.

Als nächstes geht dann in seine Realität. Auch hier stellen sich die unterschiedlichsten Fragen und du wirst dir garantiert schon Hypothesen gebildet haben:

  • Was bedeutet denn "besser" - wo steht der Scrum Master jetzt?
  • Wie interpretiert der Scrum Master seine Rolle denn jetzt überhaupt. Hast du und der Scrum Master sowie andere das gleiche Verständnis?
  • Warum will er denn besser werden? Ist der "nicht gut genug"? Was treibt ihn an?
  • Wie sieht der Tagesablauf des Scrum Master konkret aus? Was tut er denn?
  • ...

Wie du merkst, gibt es in dem Bereich nicht "die perfekte" Frage, sondern die Haltung und die Bereitschaft den Wirklichkeitsraum des Scrum Master zu erkunden ist das Ziel, das du als Coach haben solltest. Und Reality aus dem GROW Model hilft dir dabei mit dem Rahmen bzw. dieser Phase.

Dann solltest du dir die Optionen ansehen, die für den Scrum Master möglich sind. Du tauchst dann also in den Möglichkeitsraum ab. Diese Optionen sind dann festzuhalten und ich nutze dann sehr gerne die Skalenarbeit hier im Coaching. Wie viele Optionen du mit dem Scrum Master erarbeiten würdest ist natürlich auch nicht vorhersagbar, aber was du immer machen kannst und was ich super gerne tue ist folgendes:

  • Was ist die worst-case-Option?
  • Was ist die best-case-Option?

Diese beiden Optionen werden wir sehr wahrscheinlich gar nicht erreichen, darum geht es auch nicht. Was aber passieren wird, ist die Erkenntnis, dass die Realität irgendwo dazwischen liegt. Und Menschen können gut etwas einsortieren, aber nicht global schätzen oder erkennen. Mit so einem einfachen Rahmen hilft du dem Scrum Master als Coach dann gut.

Wenn du die Optionen dann mit dem Scrum Master erarbeitet hast, könntest du diese auch wieder bewerten lassen, zum Beispiel mit einer Skala und dann prüfen, wie realistisch die Option tatsächlich ist und was der Scrum Master noch braucht, zu starten. Wenn du mehrere Sessions mit dem Scrum Master machst, dann kannst du das hier auch sehr gut eine Vereinbarung treffen, was bis zur nächsten Session passieren soll.

Führungskräfte

Wenn du im Scrum Umfeld tätig bist und keine Rolle aus dem Scrum Team hast, bist du vielleicht die typische Führungskraft. Auch dann hast du eine gute Möglichkeit mit GROW zu arbeiten und das Modell leicht abgewandelt für dich zu nutzen.

So wäre es denkbar, dass du als Führungskraft GROW einsetzt, um eine Mitarbeiterentwicklung zu strukturieren.

  • "Was wollen wir mit diesem Entwicklungsgespräch erreichen?" - könnte deine Auftaktfrage sein, um sich einem Ziel zu nähern.
  • "Was beschäftigt dich beruflich gerade?", "Woran arbeitest du?", "Bei welchen Entwicklungen im Unternehmen benötigst du Unterstützung? - alles Fragen, die Realität des Mitarbeiters zu erforschen. Baue dir hier ein Abbild des Systems und lerne zu verstehen.
  • "An welchen Themen lohnt es sich aus deiner Sicht zu arbeiten?", "Was würden deine Kollegen denken, an was du arbeiten solltest?", "Welche Projekte denkst du, würde ich dir vorschlagen?", "Was würdest du mit 200.000 Euro Budget machen?" - so kannst du dich herantasten, welche Optionen existieren.
  • Du kannst auch mit Skalen arbeiten oder einfach fragen, "was brauchst du für die nächsten Schritte?", "Wie wahrscheinlich ist es, dass das Projekt beim nächsten Termin abgeschlossen ist?" ...

So oder so ähnlich kannst du dir das GROW Model auf für andere Kontexte verwendbar machen. Die Struktur ist einfach und hilft dir das Gespräch zu strukturieren.

Vorlagen für GROW

Ich persönlich verwende GROW sehr stark im Bereich der Vorbereitung und Strukturierung meiner Gespräche. Während ich zu Beginn, als ich GROW kennenlernte, das Modell eher etwas lächerlich betrachtet hatte, kam die Wirkung nach ein paar mal Ausprobieren dann sehr schnell. Ich habe in meiner Coaching Ausbildung zudem eine gute Strukturierungshilfe kennengelernt, die ich hier gerne teilen möchte.

Der Coaching Rochen

Im Grunde passt die Aufteilung sehr gut zum GROW Model. Zu Beginn hast du das Ziel. Das kann auch das Anliegen sein. Vielleicht ist das Ziel auch schon direkt SMART, vielleicht hast du aber auch andere Kriterien. Du kannst jeden Fall ganz oben in dem Coaching Rochen beginnen ("GOAL"). Dann kommt die sehr große divergierende Phase in der du die Realität ("REALITY") erkunden kannst. Irgendwann solltest du Hypothesen haben und mit dem Coachee auch Optionen gebildet haben ("OPTIONS"). Im Anschluss muss es dann konvergierend sein und auch zum "will" übergehen ("WILL").

GROW Model: Coaching Rochen

Ich finde es sehr hilfreich das GROW Model als Strukturierungshilfe in Anspruch zu nehmen, aber nicht als Zwang. Manchmal passt es gut, manchmal weniger. Ich habe es aber immer in meiner Toolbox für Scrum dabei.

Sebastian

Ein paar Worte über den Autor

Agile Team Facilitator Sebastian Schneider
ICP-ACC Sebastian Schneider
Sebastian Schneider CSP
Sebastian Schneider CSP-PO

Sebastian Schneider ist dem Framework Scrum - es war Liebe auf den ersten Sprint - bereits seit 2005 verfallen. Seitdem begleitet er Unternehmen (meist größere) bei der Transition in eine neue Arbeits- und Produktwelt. Dafür findet er den richtigen Grad zwischen zielgerichteten systemischen Impulsen und dem nachhaltigen Coaching in der Organisation, um diese bei der Entwicklung und Optimierung des eigenen Kundenmehrwerts zu unterstützen und entwickelt mit ihnen Produkte, die ihre Kunden lieben. Im richtigen Maß gehören dazu die effektive und effiziente Facilitation dazu, sowie agile Spiele und Simulationen, die sein Themenfeld auf einfache Art begreiflichen machen. Auf Konferenzen, sei es im Fachbeirat oder als Akteur, gibt er gerne Erkenntnisse weiter und freut sich über Kontakte von Angesicht zu Angesicht.

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